{"id":27189,"date":"2024-12-30T16:28:40","date_gmt":"2024-12-30T15:28:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.en-force.ch\/efol\/?page_id=27189"},"modified":"2026-03-01T18:17:52","modified_gmt":"2026-03-01T17:17:52","slug":"hoehlenbewohner","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.en-force.ch\/efol\/hoehlenbewohner\/","title":{"rendered":"H\u00f6hlenbewohner"},"content":{"rendered":"<h2>Der H\u00f6hlenbewohner &#8211; Die Mutter aller Magazine (oder so &#8230;)<\/h2>\n<h3>Think big!<\/h3>\n<p>Wie genau der \u00dcbergang von En Force zum H\u00f6hlenbewohner zustande kam, vermag ich nach all den Jahren nicht mehr pr\u00e4zise und l\u00fcckenlos nachzuvollziehen. Ich denke, es war ein schleichender Prozess, der durch den stetig wachsenden Aufwand ausgel\u00f6st wurde, ein eigenes gedrucktes Fanzine am Leben zu halten. Hinzu kamen gewisse interne Unstimmigkeiten bei En Force, die zunehmend mehr Ressourcen zu binden begannen.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr erinnere ich mich umso klarer an den &#8222;First Contact&#8220; mit dem sp\u00e4teren H\u00f6hlenbewohner-Chef Joe, eine Begegnung, die einen nicht zu untersch\u00e4tzenden medialen Stein ins Rollen bringen sollte. Mein En-Force-Kollege Clemens und ich waren damals wieder einmal unterwegs, um die frohe Metal-Botschaft in Form halboffizieller Plakate unter die Leute zu bringen, als wir zuf\u00e4llig auf eine von Joe Birrer gef\u00fchrte Heavy-Bar stiessen. Die genannte Lokalit\u00e4t lag direkt neben dem Kino Capitol in Luzern und Joe war mir damals noch v\u00f6llig unbekannt. Es war zun\u00e4chst eine lockere Begegnung, aus der sich jedoch weit mehr entwickeln sollte.<\/p>\n<p>Ob meine damalige milit\u00e4rische Weiterbildung zum Unteroffizier bei dieser Transition weg von der alleinigen Eigenproduktion eine Rolle spielte? Wer weiss &#8230; Fest steht jedenfalls, dass in den ersten Ausgaben des \u201eH\u00f6hlenbewohners\u201d gleich mehrere \u2013 ich nenne sie mal sehr selbstbewusst \u2013 legend\u00e4re Interviews mit damaligen Rock-Gr\u00f6ssen wie Kip Winger, Chris DeGarmo von Queensr\u00ffche oder Matthias Jabs und Klaus Meine von den Scorpions (\u201eDer Skorpion hat seinen Stachel verloren\u201d \u2013 ein Zitat, das insbesondere bei Klaus heftig aufstiess und ihn zur regen Beteiligung am Gespr\u00e4ch animierte) erschienen.<\/p>\n<h3>Ist Rob schwul?<\/h3>\n<p>R\u00fcckblickend war die Mitarbeit beim H\u00f6hli \u2013 damals das gr\u00f6sste oder (je nach Lesart) zweitgr\u00f6sste Musikmagazin der Schweiz \u2013 eine live erlebte Achterbahn der Gef\u00fchle. Es bescherte mir unvergessliche Momente wie den Besuch der Er\u00f6ffnungsshow von Michael Jacksons Welttournee in M\u00fcnchen (aus dem Fotograben heraus) oder ein eindrucksvolles Interview mit Richard Marx, in dem er unter anderem sagte: \u201eDieses krebskranke M\u00e4dchen hatte mehr Lebenswillen in sich, als ich wohl je haben werde.\u201c Ein wahrlich beeindruckender Moment. Doch es gab auch Schattenseiten: Manche meiner Texte erlebten ohne mein Wissen gewisse Ver\u00e4nderungen. So wurde etwa bei einem wirklich tollen Interview mit Glenn Tipton und K. K. Downing von Judas Priest \u2013 in dem es auch um den Suizid eines Fans im Zusammenhang mit \u201eBetter By You, Better Than Me\u201c ging \u2013 dieser Teil weggelassen und durch die fiktive Frage \u201eIst Rob schwul?\u201c ersetzt. Solche Eingriffe taten weh &#8211; und sie begannen, einen feinen Riss in dieses eigentlich tolle und bereichernde Zusammenarbeit zu treiben.<\/p>\n<p>Zu jener Zeit war ich fast jedes Wochenende bei Joe zu Hause (im H\u00f6hlenbewohner-Headquartier :)), um mit dem Chefredakteur der \u201eMutter aller Musik- und Filmmagazine\u201c redaktionelle Dinge zu besprechen und \u00fcber die Grundausrichtung des Magazins zu philosophieren. Zwar lag die operative Ausrichtung klar in seiner Hand, doch bestimmten wir gemeinsam f\u00fcr eine Weile den Kurs des Magazins.<\/p>\n<h3>Fuck you!<\/h3>\n<p>Ein weiteres pr\u00e4gendes Erlebnis war das Treffen mit Nikki Sixx. Gerade noch mit einer goldenen Schallplatte ausgezeichnet, musste sich der Bassist und Gr\u00fcnder von M\u00f6tley Cr\u00fce meine Frage gefallen lassen, ob zu Beginn ihrer Karriere m\u00f6glicherweise auch andere Faktoren \u2013 wie die glamour\u00f6se Aufmachung der Band \u2013 ihren rasanten Aufstieg beeinflusst h\u00e4tten. Nikki stand auf, verliess kurz die Umkleidekabine, in der das Interview stattfand, kehrte zur\u00fcck und sagte nur: \u201eOk, let\u2019s start again.\u201c In meiner grenzenlosen Naivit\u00e4t \u2013 eine meiner besonderen St\u00e4rken \u2013 glaubte ich, er habe draussen noch etwas kl\u00e4ren m\u00fcssen und wolle nun mit frischem Elan loslegen. Also stellte ich die Frage erneut. Keine gute Idee. Nikki quittierte diese Majest\u00e4tsbeleidigung mit einem herzhaften \u201eFuck you!\u201c und spuckte mir zur bildlichen Unterstreichung seiner Meinung direkt vor die F\u00fcsse. Kein Moment, an den ich gerne zur\u00fcckdenke \u2013 aber er f\u00fchrte immerhin zu einem durchaus lesenswerten Artikel.<\/p>\n<p>Leider spitzten sich die bereits angedeuteten \u201eredaktionellen Differenzen\u201d (siehe Judas Priest) weiter zu. So kam irgendwann der Punkt, an dem ich \u2013 trotz all der grossartigen, pr\u00e4genden und erf\u00fcllenden Erfahrungen \u2013 das Handtuch warf. Ein schmerzhafter, aber notwendiger Schritt, um mir morgens noch in die Augen schauen zu k\u00f6nnen. Und einer, der mich \u2013 viel, viel sp\u00e4ter \u2013 zu Metalinside.ch f\u00fchren sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der H\u00f6hlenbewohner &#8211; Die Mutter aller Magazine (oder so &#8230;) Think big! Wie genau der \u00dcbergang von En Force zum H\u00f6hlenbewohner zustande kam, vermag ich nach all den Jahren nicht mehr pr\u00e4zise und l\u00fcckenlos nachzuvollziehen. 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