Eye Of Melian – Forest of Forgetting (20.02.2026)
Hör-Kino für Herz und Seele
Es gibt Alben, die man einfach hört – und es gibt jene, die man betritt wie ein verborgenes Reich. «Forest of Forgetting» eröffnet exakt einen solchen Kosmos. Eye Of Melian weben darin weit mehr als blosse Klangfolgen – sie erschaffen einen Rückzugsort, dessen stille, entrückte Aura sich mit jedem Hören ein Stück weiter offenbart.
Martijn Westerholt hat schon mit Delain gezeigt, dass grosse Melodien sein Zuhause sind. Doch mit seinem Herzensprojekt hat er gemeinsam mit der finnischen Elfenstimme Johanna Kurkela etwas geschaffen, das weit über die Grenzen des Metal hinausstrahlt. Wirkte «Legends of Light» (2022) noch wie ein musikalischer Spaziergang durch Mittelerde, geht «Forest of Forgetting» einen Schritt weiter: runder, feiner, dichter – wie aus einem Guss. Wer harte Gitarren oder Doublebass erwartet, wird hier nicht fündig. Trotzdem passt dieses Album perfekt ins Regal eines Metal-Fans, der die Atmosphäre von Nightwish oder Blackbriar liebt. Es ist ein Refugium vor der lauten Aussenwelt – geschaffen, damit die Seele durchatmen darf. Wenn du mehr erfahren möchtest, bietet unser Interview mit Johanna und Martijn spannende Einblicke!
Jimi Jamison – 1998 Live Hits (12.12.2025)
Jimi Jamisons unvergängliches Vermächtnis
Manche Stimmen definieren ein Genre. Und dann gibt es Jimmy Wayne „Jimi“ Jamison, dessen unverwechselbares Organ Jahrzehnte überdauerte.
„1998 Live Hits“ ist nicht nur ein nostalgischer Rückblick, sondern das kraftvolle Vermächtnis eines Künstlers, der mehrere Generationen von Rockfans direkt ins Herz getroffen hat.
Es ist ein lebendiges Dokument einer Ära, in der Jamison – längst über Survivor hinausgewachsen – seine unvergleichliche Mischung aus Power, Eleganz und Seele auf die Bühne brachte. Die Aufnahmen stammen aus drei Shows in Little Rock, Nashville und Bettendorf und wurden damals von seinem engen musikalischen Umfeld eingefangen, aber nie veröffentlicht.
Satra – In Tears Of Her Reign (21.11.2025)
Ein majestätischer Quantensprung
„… quasi frisch geschlüpft und die Flügel ein erstes Mal über den europäischen Kontinent entfaltend, die Newcomer aus dem hohen Norden“ – so hatte ich die Finnen Satra bei ihrem Auftritt in Luzern beschrieben.
Und auch ihr Erstling „Sand of Time“ gefiel mir damals sehr. Umso erfreuter war ich, als ich die Nachricht vom baldigen Erscheinen ihres zweiten Werkes erhielt: In Tears of Her Reign.
Kennt ihr das? Eine Band hat euch mit den Klängen ihres Debüts euer Herz umschmeichelt – doch nun zögert ihr, die virtuelle Nadel auf die ebenso virtuelle Vinyl-Scheibe hernieder sinken zu lassen? Aus Angst, das Neue könnte den magischen ersten Eindruck zunichtemachen?
Deep Sun – Storyteller (11.05.2025)
Mehr als Märchen?
Was passiert, wenn Musik selbst zur Erzählung wird? Deep Suns fünftes Studiowerk „Storyteller“ sucht genau darauf eine Antwort. Ob es dem Schweizer Quintett gelingt, die komplexen Fäden ihrer Melodien zu einer fesselnden Geschichte zu verweben – oder ob sie sich darin verlieren –, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.
Beflügelt vom Erfolg ihres letzten Longplayers „Dreamland: Behind The Shades“ (Platz 4 der Schweizer Albumcharts) macht sich die Symphonic-Metal-Formation daran, an ihre bisherigen Erfolge anzuknüpfen – oder besser: die Messlatte noch höher zu legen. Gerade in einem Genre, in dem die Reihen qualitativ hochkarätiger Acts eng geschlossen sind (manche würden gar von Einheitsbrei sprechen – eine Diskussion, die ich an dieser Stelle jedoch nicht vertiefen möchte) ein ambitioniertes Unterfangen.
Epica – Aspiral (11.04.2025)
Ich gestehe …
„Die niederländischen Symphonic-Metal-Titanen EPICA freuen sich, ihr neuntes Studioalbum „Aspiral“ anzukündigen, das am 11. April 2025 bei Nuclear Blast Records erscheinen wird. Dieses monumentale Werk markiert ein neues Kapitel im Werdegang der Band und verbindet ihre typische symphonische Grösse mit einem frischen Sinn für Kreativität und Inspiration“, so die selbstbewusste Ankündigung über die gängigen Promo-Kanäle.
Nun, dass Erwartung und Wirklichkeit nicht zwangsläufig Hand in Hand gehen, dürfte inzwischen bekannt sein. Doch was hat das Oranje-Sextett ausser vollmundigen Ankündigungen noch zu bieten? Werfen wir einen kurzen Blick zurück auf den Titel dieser Rezension. Ich gestehe: Beim ersten Hören konnte mich die neue Scheibe der niederländischen Symphonic-Ikonen nicht wirklich überzeugen. Sollte dies der phönixgleiche Aufstieg aus der „Omega“-Asche sein? Unvorstellbar!
Nach unzähligen imaginären Plattenumdrehungen habe ich meine Meinung jedoch etwas revidiert. Wie ich heute dazu stehe – und was mir sonst noch an „Aspiral“ aufgefallen ist – lest ihr in den folgenden Zeilen.
Arch Enemy – Blood Dynasty (28.03.2025)
Dutzendware?
Auch nach 30 Jahren gelingt es Arch Enemy mit „Blood Dynasty“ ein sehr starkes Lebenszeichen zu setzen. Dabei schaffen sie eindrucksvoll den Spagat zwischen Rückbesinnung auf alte Werte und einem mutigen Schritt nach vorn. Das abgelieferte Songmaterial präsentiert sich gewohnt treibend und roh, wobei das Gaspedal noch einmal etwas stärker durchgetreten wird. Allerdings möchte ich gerade die besonders heftigen Knüppelattacken live nicht unbedingt bei einem schlecht abgemischten Sound erleben müssen.
Die Tatsache, dass auf „Blood Dynasty“ gleich drei Titel mit Klargesang (einer davon sogar ausschliesslich balladig) enthalten sind, legt nahe, dass Arch Enemy – wohl auch einiger Fan-Appelle zum Trotze – erkannt haben, welches unfassbar variantenreiches Gesangsmonster sie mit Alissa White-Gluz am Start haben. Ich bewundere den Mut der Formation, diese Karte gerade mit „Vivre Libre“ derart offen auszuspielen. Alles in allem ein weiterer Meilenstein in der Geschichte dieser Band – und mir hochverdiente neun Horns wert!
Ad Infinitum – Abyss (11.10.2024)
Am Scheideweg: Neuorientierung oder Schritt ins Leere?
In der Rezension zu Axel Rudi Pells „Risen Symbol“ habe ich mich dezent über nicht eingetretene (aka: vermisste) Überraschungsmomente beklagt (zur Review). Nun, das neueste Werk von Ad Infinitum bietet diese nun beinahe im Überfluss. Mit „Abyss“ hat die Gruppe ein Album geschaffen, das sowohl Fans des symphonischen Metals als auch Liebhaber moderner, innovativer Klänge ansprechen dürfte. Zudem beweist die Band wieder einmal ihre Unberechenbarkeit. „Abyss“ ist ein würdiger Nachfolger der bisherigen Scheiben und ein klarer Meilenstein – oder besser: Wegweiser – in der Karriere von Ad Infinitum.
Nun … Ehrlich gestanden weiss ich noch nicht so recht, wie ich mit dieser deutlich veränderten Seite von Ad Infinitum umgehen soll. Einerseits bekommt mein symphonisch geprägtes Herz bei diversen unerwarteten Wendungen und Breakdowns kleine Aussetzer – andererseits vermag mich der neue, moderne Sound der Band mehr und mehr in seinen Bann zu ziehen. Deshalb: Fette achteinhalb Horns für diesen mutigen Schritt nach vorn.
April Art – Rodeo (04.10.2024)
Wilder Ritt!
April Art sind in ihrer aktuellen Form zweifellos eine entfesselte Urgewalt, ein musikalischer Tsunami, der da über den geneigten Zuhörer hinwegfegt. Und um die Energie dieser rothaarigen Dame namens Lisa abzukühlen, bräuchte es wohl eine neue Eiszeit. Oder deren zwei…
Zwar fehlt auf dem neuen Silberling eine reinrassige Ballade à la „Warrior“ (vom Vorgänger „Pokerface“), aber mit der Akustikversion des in beiden Varianten grossartigen „Not Sorry“ werden Kuschelfans dennoch auf ihre Kosten kommen.
Die knallroten Hessener liefern mit „Rodeo“ ein absolut schmissiges Album ab. Eine Scheibe zum Abfeiern, die sich vor (zumindest noch) grösseren Namen nicht zu verstecken braucht. Ein vielschichtiges Werk, das von puren Rocksongs über zahlreiche Elektroelemente bis hin zu fiesem Metalgeballer so ziemlich alles enthält, was das Metalherz höher schlagen lässt.
Wer auf knackige, nach vorn losstürmende Powersongs mit viel Drive und Female Vocals steht, sollte unbedingt ein Ohr riskieren (oder zwei, allein schon wegen des Stereo-Effektes)! Ein Pflichtkauf für Anhänger steil nach vorne gehender Metalklänge! Sehr cool und mir alleweil satte 9 Horns wert!
Charlotte Wessels – The Obsession (20.09.2024)
Klangbild der Seele
„The Obsession“ ist ein Album, das tief berührt, inspiriert und zum Nachdenken anregt. Auf ihrem Solodebüt entfaltet Charlotte Wessels ein vielschichtiges Klangbild, in dem sich helle und dunkle, laute und leise sowie zarte und bittere Elemente lebendig abwechseln. Dieses Werk markiert einen bedeutenden Meilenstein in der Karriere der charismatischen Künstlerin und unterstreicht eindrucksvoll, dass sie zu den herausragenden Sängerinnen und Songwriterinnen der Szene gehört.
Während ihre früheren Weggefährten von Delain mit ihrer neuen Sängerin Diana Leah gerade ihr eigenes musikalisches Märchen spinnen – eine Geschichte, die wir gespannt weiterverfolgen werden – stehen die Zeichen für Charlotte Wessels‘ Solokarriere klar auf Erfolg. Das Album verdient sich hammermässig-veträumte 8.5 Horns, mit deutlicher Tendenz nach oben.
Mothica – Kissing Death (23.08.2024)
Der Tod und das Mädchen
Wow… respektive: W.O.W.! Selten habe ich einem so persönlichen, tiefgründig verstörenden und gleichwohl schmetterlingsleichten Werk gelauscht!
„Kissing Death“ zählt für mich bereits jetzt zu den besten Alben des laufenden Jahres – auch wenn letzteres noch verhältnismässig lang ist und der vorliegende Longplayer irgendwie so gar nicht in die typische „Metal muss krachen“-Schiene passen will. Ein eher stilles, in sich gekehrtes, aber dennoch sehr intensives, berührendes Opus. Wer es dagegen lieber schmissig-krachend mag, sollte sich schon mal meine Rezension zu „Rodeo“ von April Art vormerken…
Mothica liefert mit „Kissing Death“ ein Album voller Tiefe und Emotionen ab, das musikalische Grenzen zu überschreiten vermag. Eine 10er Wertung ist in der Tat ein ziemlich dediziertes Statement… das sich Mothica mit ihrem dritten Wurf in meinen Augen resp. Ohren aber redlich verdient hat. Und damit ein dickes Ausrufezeichen setzt.









